Bericht aus dem Tassilo Nov./Dez. 2018

Dackelklub Oberland
Dackel und Mensch eine eigene Rasse
Oberhausen | „Der Dackel ist kein Hund für Anfänger, denn er hat einen eigenen Kopf" stellt die Vorsitzende des Dackelklubs Oberland Petra Meder-Hokamp fest. Seine Intelligenz entspricht der eines dreijährigen Kindes und mit einer guten Ausbildung kann der Dackel wichtige Aufgaben als Begleithund oder in der Jagd verrichten. Für die Jagd in Fuchs- und Dachsbau wurde er ursprünglich gezüchtet, denn in diesen engen Gängen muss er selbständig entscheiden und handeln. Als Jägerin nimmt Petra Meder-Hokamp ihre Hunde immer gern mit auf die Pirsch, sie merken wesentlich früher als der Mensch, wenn sich ein Wild nähert.
„Der Dackel wird wieder in" weiß die Züchterin, mit seinem hohen IQ ist er unter den Hunderassen oben angesiedelt. Um dies zu nutzen, bedarf es aber Ausbildung und dafür setzt sich der Dackelklub Oberland ein. Den Dachverband „Deutscher Teckelklub" gibt es schon seit 1888, als Sektion dieses Verbandes gründeten Hans und Elisabeth Fichtl 1986 in Penzberg den Dackelklub Oberland. 105 menschliche Mitglieder gehören zum Klub, Dackel sind es noch einige mehr. Als Vereinslokal fungierte viele Jahre der Gasthof Post in Eberfing, doch vor drei Jahren konnte ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück in Oberhausen gepachtet werden, sodass nun der Stroblwirt in Oberhausen zum zweiten Vereinslokal wurde. „Das muss ein Wirt schon mögen, wenn über 30 Dackel zu einer Zuchtschau im Saal sind" lobt die Klubvorsitzende die Wirtsleute.

Trainingsgelände in Oberhausen
Der eigentliche Mittelpunkt für die Dackelfreunde aus den Landkreisen Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz, Starnberg und Landsberg ist seit 2015 das großzügige Trainingsgelände außerhalb von Oberhausen. Ein Jahr später konnten weitere 900 Quadratmeter angemietet werden, sodass nun viel Platz für die Hunde, aber auch für das Gesellige der Dackelhalter zur Verfügung steht. Mit vereinten Kräften wurde das Grundstück eingezäunt, es wird gemeinschaftlich gepflegt und die Mitglieder bringen auch immer wieder Pflanzen aus dem eigenen Garten zur Verschönerung.
Alle fünf Mitglieder der Vorstandschaft sind zertifizierte Ausbilder und stehen von April bis Juli jede Woche ehrenamtlich auf dem Platz. Junghunde, so ab zwölf Wochen bis zu einem dreiviertel Jahr, absolvieren zunächst einen Zwergerlkurs. „Das ist sehr anstrengend und intensiv, weil die Welpen noch so verspielt sind" erzählt Petra Meder-Hokamp von diesem Hunde-Kindergarten. Durch die Zwergerlkurse konnte der Klub auch viele junge Vereinsmitglieder gewinnen. Wenn die Hunde dann erwachsen sind, können sie den Begleithundelehrgang absolvieren, der die Bausteine Gehorsam, Führersuche und Wasserfreude beinhaltet. Nach wöchentlichem Training über mehrere Monate kommt zur Prüfung ein Richter des Deutschen Teckelklubs, der die Hunde ganz genau unter die Lupe nimmt. „Bei dieser Ausbildung erkennt man bald, ob der Hund für die Jagd geeignet ist, ob er zum Beispiel ins Wasser geht oder nicht" weiß die Ausbilderin Petra Meder-Hokamp. Etwa ein Drittel der Klubmitglieder sind Jäger, für deren Gefährten es dann jagdliche Weiterbildungen gibt.

Dackel sind gute Jagdhunde
Die Klubvorsitzende setzt ihre Hunde nicht nur als Jägerin ein, sie ist auch eine liebevolle Züchterin. Am 30. Mai brachte die Hündin Donna den dritten Wurf, was im Fachjargon C-Wurf heißt, denn die vier Welpen heißen Caspar, Carlo, Cora und Coco. Zur Rasse der Dackel gehören die Haararten Langhaar, Rauhaar und Kurzhaar und man zählt auch drei Größen dazu: Standard, Zwerg- und Kaninchen-Dackel. Voraussetzungen für die Zucht sind eine bestandene Begleithundeprüfung, eine Zuchtschau, sowie zwei Zahn-und Rutenstatus von zwei unterschiedlichen Zuchtrichtern mit den Noten von „sehr gut" bis „vorzüglich". Erst dann werden die Rüden oder Hündinnen im Zuchtbuchamt des Deutschen Teckelklubs eingetragen. Die Sektion Oberland hatte im Juni ihre 31. Zuchtschau mit der Körung von über 20 Dackeln ausgerichtet.

Welpen sind wie kleine Kinder
Auf der Terrasse der Vorsitzenden und Züchterin ist ein wahres Spielparadies mit Bällebad, Tunnel oder Pappschachtel-Haus, in denen die vier Welpen wie kleine Kinder herumtollen. Sie besucht mit den Hunden auch schon das Trainingsgelände zur Welpenspielstunde. Natürlich sind dabei schon viele Freundschaften der Herrchen und Frauchen entstanden, man trifft sich zu Sektionsabenden, Vorträgen und ausgiebigen Wanderungen. Die älteren Dackelfreunde haben einen regelmäßigen Ratsch und Treff bei der ehemaligen Vorsitzenden in Eberfing. Höhepunkt des Vereinsjahres ist das Sommerfest am Trainingsgelände, zu dem bis zu 70 Mitglieder und noch mehr Dackel kommen. „Die Hunde freuen sich genauso wie wir auf das Fest" erzählt Meder-Hokamp von einem großen, spielenden Hunderudel und vielen fröhlich ratschenden Menschen beim Sommerfest. Mitglied im Klub kann nur werden, wer einen Dackel oder wenigstens einen Dackelmischling besitzt und diese tierliebende Gemeinschaft ist dann auch irgendwie eine eigene Rasse Mensch.

Rosi Geiger